© raffalt | © raffalt

Selbsteinschätzung bei alpinen Wanderungen

Von der Planung zur erfolgreichen Tour

Bei Hochtouren sind kühlere Temperaturen und spektakulärere Landschaftskulissen vorzufinden als in niedrigeren Lagen. Die körperliche Anstrengung ist tendenziell größer. Diese Kombination macht den Reiz alpiner Wanderungen aus. Aber Achtung: Die Höhe hat physische und mentale Auswirkungen. Im alpinen Gelände rücken spezifische Risiken auf den Plan und nicht zuletzt gilt es, das persönliche Befinden stetig zu reflektieren und realistisch zu bewerten. Viele unserer wertvollen Tipps für Hochtouren lassen sich übrigens auch auf das Verhalten bei leichteren Wanderungen wie etwa jene am Salzburger Almenweg umlegen.

Sondierung der Verhältnisse

Alles beginnt mit dem Wetter. Sich eingehend mit der Wettervorhersage zu beschäftigen, klingt selbstredend. Aber dieser Vorbereitungsschritt wird nicht immer ernst genommen, wissen alpine Verbände zu berichten. Schutzhütten, Öffnungszeiten und Wege gehören vorab ordentlich sondiert. Vertrauenspersonen sollten über Route, Ziel und angedachte Rückkehr informiert werden.

Wesentliche Komponenten der Tour:

          • Länge, Höhendifferenz & Schwierigkeit
          • aktuelle (Wetter-)Verhältnisse

Aussicht von der Krahlehenhütte in Filzmoos

Die Sache mit dem Material

Es ist nicht besonders ratsam, tonnenweise Sachen mitzuschleppen. Lieber sollte man gut überlegen, was man wirklich benötigt und wie man das Material richtig einsetzt.

          • Ausrüstung der Unternehmung anpassen. Zu viel Material macht das Gepäck unnötig schwer, den Schritt damit langsamer und die Aufenthaltszeit in Gefahrenzonen länger.
          • Das beste Equipment hilft nicht, wenn man es nicht richtig einzusetzen weiß.
          • Immer in den Rucksack gehören: Regen-, Kälte- und Sonnenschutz, Erste-Hilfe-Paket, Mobiltelefon (Euro-Notruf 112), Karte und wenn möglich GPS.
          • Ratsam: Stirnlampe und Biwaksack

Rucksack richtig packen will gelernt sein.

Vertrauen in die Bergpartner

Selbst als Routinier gilt es, jedes neue Vorhaben von Grund auf zu bewerten. Dabei spielen nicht nur die Verhältnisse, die einen seitens der Tour erwarten, eine Rolle, sondern auch die soziale Komponente: Es ist entscheidend, wie „eingespielt“ man mit seinem Partner bzw. seinem Team ist und wie gut man sich untereinander in Sachen „Bergverhalten“ kennt. Ist jeder Einzelne der anstehenden Aufgabe gewachsen und gibt es genügend Reserven, sollte es zu Unvorhergesehenem kommen? Essentiell ist die – möglicherweise unbewusste – Rollenverteilung. Man muss realistisch beurteilen, ob man sich gänzlich auf seine Bergpartner verlassen kann oder ob automatisch einer Person (mit der meisten Erfahrung) die Hauptverantwortung zukommt. Sollte eine grobe Schieflage vorliegen, macht es Sinn, das Vorhaben nochmals zu überdenken und eventuell eine leichtere Tour zu planen.

Tipp: Alpine Fortbildungskurse

Alpine Vereine raten eindringlich zu einer gewissenhaften Tourenplanung und außerdem zum Besuch alpiner Fortbildungskurse, um Unfälle zu vermeiden. Unfallursachen seien am häufigsten Übermüdung, unachtsames Vorgehen, mangelhafte Ausrüstung und eine Unkenntnis der Gefahren am Berg.

Vorbereitung im Team

Im Idealfall sollten sich alle Beteiligten vorab die Karte und den Tourenplan zu Gemüte führen. Zeigt sich während des Studiums der Führerliteratur, dass in der aktuellen Gruppenkonstellation die eine oder andere Passage nicht von allen zu bewältigen sein wird, ändert man die Tourenwahl. Jeder muss wissen, was zu tun ist, sollte jemand anderem etwas zustoßen: einerseits um sich selbst in Sicherheit zu bringen, andererseits um Hilfe leisten zu können.

Gruppenvoraussetzung:

          • Gegenseitiges Vertrauen: schon vorab Bedenken klären
          • Sich jederzeit trauen, zu sagen, wenn es einem unterwegs nicht gut geht
          • In der Gruppe zusammen bleiben!

 Selbsteinschätzung

Am schlausten ist es, im Vorhinein die eigene Kondition und das bergsteigerische Können ehrlich zu bewerten. Manchmal verkalkuliert man sich aber und ist dann bereits mitten am Berg. Der Puls ist dann der einfachste und verlässlichste Anhaltspunkt. Er sollte höchstens im persönlichen Ausdauertrainingsbereich liegen bzw. sollte man noch in der Lage sein, während des Marschs ein Gespräch zu führen, ohne dabei stark ins Keuchen zu kommen. Bei beginnendem Unwohlsein gilt es, unverzüglich die Bergpartner zu informieren. Es zeugt von Mut und Verantwortungsbewusstsein, im Zweifel auf einen Gipfelsieg zu verzichten und frühzeitig umzukehren!

„Man sollte der Versuchung all zu ehrgeiziger Ziele widerstehen. Ungeübte sollten die Latte tiefer ansetzen und bei einer leichten Wanderung probieren, wie es ihnen im neuen Terrain geht. Für fast die Hälfte aller Notsituationen beim Bergwandern sind Herz-Kreislauf-Beschwerden verantwortlich“, so Alpenvereins-Bergsportreferent Michael Larcher.

Kondition & Einstiegstipps

Eine gute Vorbereitung für Hochtouren im Sommer und Herbst sind Skitouren im Winter und Biken im Frühjahr. Kurz: Grundlagenausdauertraining. Ein paar Touren mit einem Bergführer sind als Kick-Off auch ratsam. Dieser nimmt einem anfangs die Planung und Risikoeinschätzung ab, sodass man sich komplett auf sein persönliches Befinden während der Aktion fokussieren kann. Bei ersten Unternehmungen im Alleingang sind frequentierte Routen die beste Wahl, da man im Ernstfall nicht alleine am Berg ist.

          • Regelmäßig pausieren
          • Essen und trinken, um konzentriert und leistungsfähig zu bleiben
          • Isotonische Getränke, Müsliriegel und getrocknete Früchte

Wenn sich Blitz & Altschneefelder einmischen

Zieht eine Gewitterfront auf, ist Rückzug angesagt. Überrascht es einen und geht sich ein Umkehren nicht mehr aus, so gilt es, richtig zu agieren.

          • Exponierte Orte verlassen (dazu zählen auch Felswände bzw. Klettersteige)
          • Schützende Orte aufsuchen
          • Wenn man gezwungen ist, im Freien zu bleiben: hinhocken, um die Angriffsfläche zu verkleinern

Risikophase Abstieg meistern!

Viele Unfälle passieren am Rückweg, weil man bereits ermüdet und weniger konzentriert ist. Noch dazu ist der Abstieg oft schwieriger und motorisch anspruchsvoller als der Aufstieg und das Hinunterblicken zusätzlich mental fordernd. Damit lässt auch die Trittsicherheit nach, man stolpert oder rutscht aus. Umso mehr heißt es, das Tempo vernünftig zu wählen. Außerdem kann man verhindern, Steine loszutreten, wenn man bewusst auf seine Schritte achtet. Abkürzungen sind zu vermeiden, um die Orientierung zu behalten. Verirrt man sich, gilt es, die Ruhe zu bewahren und zum letztbekannten Punkt zurückzukehren.

In diesem Sinne, auf eine erfolgreiche Bergtour!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.