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Ein Leichtgewicht von einem Rucksack: Sinnvoll packen & nichts Unnötiges schleppen!

Rucksack richtig packen will gelernt sein.

Gerade im Sommer treiben uns die Temperaturen die Schweißtropfen ins Antlitz. Da müssen wir nicht auch noch mit schwerem Marschgepäck nachhelfen. Darum schauen wir uns ein bisschen was von den Extrembergsteigern ab, die bei ihren Expeditionen auf jedes Gramm Gewicht achten. Ganz so rigoros als würden wir die Trango Towers in Pakistan besteigen, gehen wir zwar nicht vor, wenn wir uns „lightweight“ für die Koglalm in Kleinarl rüsten. Doch man kann sich durchaus inspirieren lassen.

#1 Der Rucksack

Bevor wir den Rucksack packen, reden wir noch kurz über seine eigene Beschaffenheit. Beim Rucksack selber radikal mit dem Gewichtsparen anzufangen, ist nicht die ratsamste Idee. Ein gutes Tragesystem wiegt nunmal ein bisschen etwas, doch es erleichtert einem das Gehen ungemein. Ein schlecht stabilisierter Beutel hingegen (z.B. Lightweight-Rucksack) kostet Nerven. Beim Kauf auf die Passform achten! Es gibt übrigens oft schmälere Varianten für Frauen. Und mit Probe-Packgewicht den „Echtfall“ üben. Wer gedenkt, mal länger damit unterwegs zu sein: Eine sogenannte Regenhaube, also ein Regenschutz, den man dem Rucksack überzieht, zahlt sich aus. Für kürzere Touren ein Imprägnierspray.

Noch ein heißer Tipp: den Rucksack eher zu groß als zu klein kaufen. Wenn man anfängt, diverses Material außen anzubinden, geht eine vernünftige Gewichtsverteilung meist flöten.

 

#2 Schnell-Ladesystem

Geschmacksache, aber definitiv eine Überlegung wert ist ein Front- bzw. Backloader. Ein Frontload-Rucksack hat einen über den gesamten Corpus verlaufenden Reißverschluss an der Vorderseite, der Backload-Rucksack einen am Rückenteil.Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein solches Gepäckstück ist schnell gepackt, wenn es mal fix gehen muss (Stichwort Wetterumschwung während der Speckbrot-Pause) und ebenso rasch entleert, wenn man auf die Schnelle etwas herauskramen möchte. Pack-Muffel, die sich ungern Gedanken darüber machen, was sie sinnvollerweise ganz oben oder ganz unten hineingeben sollten, können den „Schnell-Loader“ jederzeit zackig öffnen und genießen sofortige und vollumfängliche Einsicht. Oder man denke daran, wenn man mit Kindern unterwegs ist – auch da kommt es vor, dass der „Proviant-Transporter“ am Weg zur Almhütte zwölfmal abgenommen werden muss. So ein „Schnell-Loader“ ist dann ein Segen.

 

Wichtigste Punkte im Überblick:

          • Wer’s bequem mag: Front- oder Backloader
          • gutes Tragesystem
          • eher zu groß als zu klein
          • gute Passform (eventuell Sondermodell für Frauen)
          • Regenhaube

#3 Der Inhalt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Hand aufs Herz: Wer von uns packt seinen Wanderrucksack nicht meistens nach dem Motto „Das nehme ich lieber mit. Und das auch noch. Könnte ich ja brauchen. Da schleppe ich lieber mehr, dafür bin ich für alle Eventualitäten gerüstet“?

Das macht Sinn, wenn man an das Verbandszeug denkt und auch beim Wasser sollte nicht unbedingt gespart werden. Aber oftmals wandern Funktionsleiberl in drei Wärmestufen in unser Gepäck, während ein einziges Wechselshirt reichen würde.

Familienpackung Kekse, Spielzeug, ein halber Liter Sonnencreme – kurz innehalten und sich fragen: Was brauche ich wirklich? Weniger ist oft mehr!

 

 

#4 Der Packmodus: Ladung richtig verteilen

Pi mal Daumen sollte das Gesamtgewicht des Rucksacks höchstens 25 Prozent des eigenen Körpergewichts betragen. Um sich selbst

mit einem angenehmen Tragekomfort zu beglücken, verstaut man die schweren Teile wie Zelt, Jause und Getränke körper- und schulternahe.

Mittelschweres wie Gewand gehört in den oberen, nicht unbedingt körpernahen Bereich.

Leichte Ausrüstung – alles aus Daune beispielsweise – fügt sich gerne ins Bodenfach ein, wo sie gut komprimiert wird. Der Optimalfall ist zweifelsohne, dass sämtliche Objekte im Rucksack Platz finden. Wenn es nicht anders geht und sperriges Equipment (etwa Zeltstangen) außen befestigt werden muss, sollte es zumindest wenig Gewicht haben. Das Gewicht in den Seitentaschen gleichmäßig verteilen. Häufig gebrauchten „Krimskrams“ ins Deckelfach geben.

 

#5 Packsäcke

Packsäcke gibt es in Nylonausführung, wasserdicht und in bunten Farben von diversen Herstellern. Sie schaffen Ordnung und erlauben einem, sein Hab und Gut sinnvoll zu ordnen: Was brauche ich als erstes bzw. am öftesten? Das kommt oben. Was brauche ich frühestens auf der Hütte? Unten rein damit. Zusätzlich lässt sich damit Volumen komprimieren. Achtung auf zu große „Leerräume“ zwischen den Einheiten!

Tipp: Immer ein Sackerl für den Müll dabei haben und – bei mehrtägigen Aktionen – einen zusätzlichen Packsack für Schmutzwäsche!

#6 Potenziale nutzen

Ultraleicht-Trecker Stefan Dapprich empfiehlt, sich zu überlegen, wie intensiv man gedenkt, einzelne Gegenstände zu nutzen. Sind die dicken Fäustlinge nur dabei, weil man sie nach drei Tagen am letzten und höchsten Gipfel anzuziehen gedenkt? Wenn ja, könnte man für die halbe Stunde nicht vielleicht genauso gut die Hüttensocken benützen? Die gute Regenjacke hat nicht nur eine wasserdichte Membran, sondern ist dadurch häufig auch winddicht.

Man frage sich: Braucht es heute tatsächlich einen extra Windstopper? Gerade bei leichteren, ungefährlichen Unternehmungen kann man auf das Prinzip „Zwei-in-Eins“ setzen.

#7 Schmalspurversionen

Bergsteiger, die wochenlang unterwegs sind und bei denen das Gewicht auf ihrem Rücken tatsächlich zwischen Genuss und Quälerei entscheidet, gehen radikal mit dem Material ins Gericht: Was nicht gebraucht wird, bleibt zuhause. Da werden schon mal unnötige Riemen von Rucksäcken abmontiert und Stiele von Zahnbürsten gekürzt. Ganz so extrem müssen wir Wanderer es nicht treiben, doch abermals gilt: Gute Gedankenanstöße! Beispielsweise kann man sich auch bei herkömmlichen Tagesmärschen – bei mehrtägigen Wanderungen sowieso! – fragen, ob man nicht diverse Verpackungen weglässt, die Sonnencreme in ein kleines Doserl umfüllt und generell Reisegrößen bei Hygieneartikeln verwendet.

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